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Corona-Krise: Wie digital sind die (Hoch-)Schulen?

Die Corona-Krise zwingt nicht nur Unternehmen mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern dazu digitaler zu werden. Auch an Bildungseinrichtungen, wie Schulen und Hochschulen geht die derzeitige Lage nicht spurlos vorbei. Ob Home-Schooling oder die Durchführung eines Online-Semesters – so richtig darauf vorbereitet waren die Einrichtungen nicht. Wie funktioniert Vermittlung und Erwerb von Wissen momentan? Und welche Auswirkungen hat die Corona-Krise langfristig?

So sieht der Unterricht in den Schulen aus

Wie digital der Unterricht ist, hängt stark von Bundesland zu Bundesland, von Stadt zu Stadt, ja sogar von Einrichtung zu Einrichtung ab. Während es in manchen Schulen zum Alltag gehört, dass Lehrinhalte auf Plattformen hochgeladen, Tafelbilder während des Unterrichts vom Lehrpersonal auf Whiteboards angefertigt, Videos per Beamer an die Wand projiziert werden und die Schüler Notizen auf ihren eigenen oder von der Schule zu Verfügung gestellten Laptops und Tablets machen, sieht das in anderen Schulen komplett gegenteilig aus.

Alte Tafeln, Overhead-Projektoren, Massen an ausgedruckten Blättern. PC-Räume gibt es teilweise, diese sind oft allerdings mit, in die Jahre gekommenen, Computern und Software ausgestattet. Und nicht nur die Technik unterscheidet sich stark voneinander, sondern auch der Kenntnisstand der Lehrer im Bereich Digitalisierung. Während in einigen Einrichtungen regelmäßig Fortbildungen für das gesamte Lehrpersonal durchgeführt werden, gibt es an anderen ein oder zwei Lehrer, die sich mit dem Thema auskennen – sind diese krank oder nicht erreichbar, wird in der Zeit wieder auf analoge Methoden zurückgegriffen. Diese Lehrer übernehmen die Aufgabe des „Technik-Experten“ dann allerdings freiwillig und zusätzlich zu ihrem Unterricht.

Natürlich gibt es nicht nur diese beiden Extrema, trotzdem zeigen die Beispiele, dass die Digitalisierung noch nicht überall angekommen ist. Der im März letzten Jahres von der Bundesregierung verabschiedete Digitalpakt sollte dem bis zum Jahr 2024 entgegenwirken und mit den bewilligten 5 Milliarden Euro Gesamtsumme Einrichtungen unterstützen.

Während Corona: Wie läuft das Home-Schooling ab?

Bis zum Ende der Osterferien bleiben die Schulen landesweit geschlossen. Auch die Abiturprüfungen wurden verschoben. Auf Ende Mai. In der Zeit der Schulschließung bekommen die Schüler von ihren Lehrern die Aufgaben digital übermittelt. Das gehört zu der Dienstpflicht des Lehrpersonals. Dabei sind die Vorgaben der Bezirksregierung, dass die Schüler beim Bearbeiten der Aufgaben für alle Fächer pro Tag einen Zeitaufwand von drei Stunden haben sollten, also von 15 Stunden pro Woche. Doch wie läuft das Home-Schooling, also der Unterricht, beziehungsweise das Lernen von Zuhause aus und der allgemeine Schulbetrieb derzeit genau ab?

Durch Software wie Microsoft Teams
  • Microsoft hat den Schulen für die Zeit der Corona-Krise das Paket Office 365 kostenlos zur Verfügung gestellt. Vor allem die Software Microsoft Teams wird zur Koordination zwischen den verschiedenen Lehrern und der Schulleitung genutzt. In verschiedenen Teams, die beispielsweise nur Lehrer eines Faches enthalten, können so Besprechungen und Absprachen per Chat oder in Videokonferenzen abgehalten und durchgeführt werden.
Durch andere Tools für Telefon- und Videokonferenzen

Die Aufgaben, die erledigt werden müssen, werden den Schülern täglich oder wöchentlich mit den dazugehörigen Deadlines über verschiedene Kanäle mitgeteilt. Über diese müssen die Aufgaben anschließend auch abgegeben werden. Dazu gehören:

E-Mail
  • Der klassische Weg, der von vielen Schulen genutzt wird, ist das Senden der Aufgaben per Mail. Hier die Aufgaben entweder direkt von jedem Lehrer einzeln an die Schüler/ihre Eltern (je nach Klassenstufe) oder gebündelt vom Klassenlehrer / Stufenkoordinator die Aufgaben übermittelt. Die Schüler schicken den Lehrern dann die erledigten Aufgaben per Mail zurück.
Software wie Microsoft Teams
  • Auch hier kommt die Software oftmals zum Einsatz. Lehrer erstellen Teams und Kanäle für die einzelnen Klassen oder Kurse und stellen hier Arbeitsblätter, digitale Aufgaben und Quizze zur Bearbeitung ein. Die Aufgaben können dann, je nach Art, entweder direkt online bearbeitet oder an den Lehrer im Einzelchat geschickt werden.
Plattformen wie Moodle
  • Auf Plattformen wie Moodle können Aufgaben hochgeladen und abgegeben werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, digitale Tests durchzuführen oder auch andere Arten Quizzes oder ähnlichem einzustellen. Wenn Aufgaben hochgeladen oder im Forum gepostet werden, erhalten die Schüler darüber zusätzlich eine Benachrichtigung per E-Mail.
Schul-Cloud
  • Schulen, die sich schon etwas mehr mit dem Thema Digitalisierung auseinandergesetzt haben, besitzen häufig eine Schul-Cloud, wo Lehrer und Schüler Daten hochladen und teilen können. Hier gibt es die Möglichkeit, Aufgaben in verschiedenen Ordner hochzuladen und den Schülern den Zugriff und das Hochladen ihrer Lösungen zu gewähren.

Um mögliche Fragen der Schüler zu den Aufgaben zu klären, ihnen weiteres Feedback zu den Abgaben zu geben oder ihnen die Möglichkeit zu geben, auf Fragestellungen oder Lerninhalte zu reagieren, werden unterschiedliche Methoden verwendet:

Chats und E-Mail

  • Die Schüler können sich hier schriftlich über Programme wie Microsoft Teams und Moodle per E-Mail oder in Whatsapp-Gruppen an die Lehrer wenden oder Fragen an Mitschüler stellen.

Videotelefonate

  • Manche Lehrer bieten Slots an, in denen Schüler sie über Plattformen wie Zoom, Jitsi Meet oder Teams anrufen können oder legen Zeiten für Gespräche in kleinen oder größeren Gruppen fest. In Grundschulen oder der Unterstufe wird diese Möglichkeit auch genutzt, um den Schülern zu ermöglichen mit den Lehrern oder Klassenkameraden ein Mal pro Woche zu reden und sich auszutauschen.

Digitaler Unterricht

  • Über die Software Teams gibt es auch die Möglichkeit Unterricht digital durchzuführen. Lehrer könnten Lerninhalte von Zuhause aus live streamen und die Möglichkeit des kollaborativen Schreibens nutzen. Dabei können sich die Schüler virtuell melden und ihre Antworten in ein, für alle Teilnehmer zugängliches, Dokument eintragen. Eine weitere Möglichkeit ist das Aufzeichnen und Hochladen von Erklärvideos zu bestimmten Themen, die sich die Schüler dann als Hilfestellung ansehen können oder die Nutzung von E-Learning-Anbietern, wie The Simple Club.

Nicht nur Lehrer können von dem System Home-Schooling und dem damit verbundenen Arbeitsaufwand überfordert sein, auch für Schüler ist das eine neue Situation. Sie müssen ihre Aufgaben diszipliniert und fristgerecht erledigen. Sich ohne äußere Strukturen plötzlich den Tag selbst einzuteilen, kann dabei zu Stress und Frust führen. Um dem entgegenzuwirken, haben sich viele Schulen Lösungen überlegt:

Videotagebücher
  • Der Alltag vom Schulmaskottchen, die Aktivitäten von den Lehrern und Mitschülern, aufmunternde Worte oder Tipps zum Zeitmanagement – viele Schulen und engagierte Lehrer veröffentlichen regelmäßig kleine Videotagebücher, um die Schüler zu unterhalten oder ihnen sogar einen Mehrwert zu bieten.
Belohnungen
  • Besonders bei jüngeren Schülern schicken manche Lehrer zusätzlich zu den Aufgaben ein paar lobende Worte, die sich individuell auf die Kinder beziehen oder Belohnungen wie Ausmalbilder.
Psychologische Unterstützung
  • Zur psychologischen Unterstützung in der Ausnahmesituation der Corona-Krise bieten Schulen mit Schulpsychologen regelmäßige Videosprechstunden an, für die sich die Schüler per Mail oder Chat anmelden können.

Stand der Digitalisierung in Hochschulen

Ähnlich wie bei den Schulen sieht es auch bei den Hochschulen aus. In manchen läuft das meiste schon digital ab, in anderen gleichen Vorlesungen eher dem Unterricht in Schulen. Allerdings ist die Digitalisierung hier grundsätzlich schon einen Schritt weiter, als sie das bei den Schulen ist. Es werden Plattformen wie Moodle oder ähnliche Hochschul-interne Software und Clouds zum Upload von Arbeitsmaterialen und Skripten sowie zur Abgabe von Prüfungsleistungen genutzt. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass es in den meisten Vorlesungen keine Präsenz-Pflicht gibt, viele Studierende also nicht an allen teilnehmen.

Inwieweit Vorlesungen online durchgeführt werden, es digitale Tests und Aufgaben gibt oder die Plattformen zur Kommunikation genutzt werden, hängt hier nicht nur von Bundesland, Stadt oder Einrichtung ab, sondern ist sogar innerhalb von Hochschulen bei den verschiedenen Studiengängen und Dozenten unterschiedlich. Vor allem in größeren Lehrveranstaltungen werden schon vermehrt Audience Response Tools eingesetzt, mit denen Studierende Fragen per App beantworten können und sich nicht mehr persönlich melden müssen.

Ein weiterer Faktor für die Digitalisierung ist somit auch die Art der Wissensübermittlung, ob es sich also um eine Vorlesung, ein Seminar oder ein Praktikum handelt. Hierbei gibt es Abstufungen von sehr weit digitalisierten Veranstaltungen hin zu welchen, die nahezu keine Elemente der Digitalisierung beinhalten. Um dies mehr zu vereinheitlichen werden an gibt es an manchen Hochschulen Bestrebungen, die Digitalisierung ins Curriculum einfließen zu lassen und vermehrt Workshops und Veranstaltungen in dem Bereich zu organisieren.

Durch Corona: Online-Semester statt Veranstaltungen vor Ort

Der Beginn des Sommersemesters in den Hochschulen wurde landesweit auf den 20. April verschoben. Dass das Semester aber definitiv stattfinden soll, wurde von der Bezirksregierung direkt nach dieser Entscheidung kommuniziert. Ob die Studierende Präsenz-Vorlesungen in den Hochschulen besuchen können oder ob alle Veranstaltungen ausschließlich digital angeboten werden, sollte später je nach Lage entschieden werden. In welcher Form das Semester in Nordrhein-Westfalen starten wird, ist seit dem 7. April nun auch klar: Als Online-Semester. 

Manche Hochschulen und Studiengänge hatten diese Entscheidung gar nicht erst abgewartet und ihre Veranstaltungen bereits digital gestartet. Ob das nun an den Hochschulen nur bis zum Ende der Corona-Krise so geregelt werden soll oder das ganze Semester zum Online-Semester wird, steht noch nicht überall fest. Damit Leistungsnachweise, die nun, beispielsweise in praktischen und experimentellen Studiengängen nicht erbracht werden können, nicht zum Nachteil für die Studierende werden, werden außerdem Sonderregelungen eingeführt.

Das bedeutet für viele Hochschulen eine große Umstellung. Vor allem für die, die bis zur endgültigen Entscheidung vom 07. April noch von einem Vorlesungsbeginn vor Ort ausgegangen sind. Eine von ihnen war die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Recklinghausen, Bocholt. Hier sollte die Vorlesungszeit am 20. April wieder starten. In der Hochschule. Trotzdem gab es bereits Überlegungen, wie das Semester notfalls auch digital durchgeführt werden könnte. Das erzählte Jens Gottfried, Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Aufgabenschwerpunkt Digitalisierung der Lehre im Zentrum für Kooperation in Lehre und Forschung an der Westfälischen Hochschule. Er erklärte, dass sich momentan die Lehrenden Gedanken machen würden, wie sie ihre Lehrveranstaltungen umsetzen und mit welchen Methoden bisherige Veranstaltungen digitalisiert werden können. Schließlich sollen den Studierenden die Inhalte bestmöglich vermittelt werden. 

„Die Herausforderungen dabei sind vielfältiger Natur. Um die spezifischen Bedarfe der neuen Situation abbilden zu können wurde beispielsweise ein Tool für Videokonferenzen und Lehrveranstaltungen beschafft“, so Jens Gottfried. Weitere technische Neuerungen sind wahrscheinlich, teilweise sogar unvermeidbar. Bis zum Start des Online-Semesters müssen sich nun viele Dozenten mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Jens Gottfried dazu: „Wir unterstützen alle Lehrenden gerne bei der Planung und Umsetzung von Lehrinhalten in digitalisierte Form. Sei es bei dem Einrichten von Videokonferenzen, der Erstellung von Videos oder der didaktischen Planung, wie diese Elemente zusammen genutzt werden können.” Insgesamt sei die Hochschule gut aufgestellt um die Herausforderungen zu meistern.

Welche zukünftigen Auswirkungen sind in den (Hoch-)Schulen denkbar?

Veröffentlicht von Sarah Mecklenburg am 09.04.2020
Autorin: Sarah Mecklenburg

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